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Teilnehmerinnen des Gruppentreffens am 21.09.2017.
Teilnehmerinnen des Gruppentreffens am 21.09.2017. Foto: © TERRE DES FEMMES

Zwei fruchtbare Austauschtreffen der Patinnen

Am 21. und 22. September 2017 fand das zweite CONNECT-Gruppentreffen statt, bei dem die Patinnen dieses Programms in einer lockeren Runde von ihren Erfahrungen und Erlebnissen mit den jeweiligen Tandem-Partnerinnen erzählten. Da die Frauen alle unterschiedlich lange dabei sind, konnte ein reger und fruchtbarer Austausch stattfinden.

Viele Patinnen erzählten von starken und selbstständigen Frauen, von deren Energie und Lebensgewandtheit sie immer wieder beeindruckt sind. Auch einige Erfolge konnten schon verbucht werden. Beispielsweise hat eine Geflüchtete mit ihrer Familie bereits eine neue Wohnung beziehen können und freut sich über den Frauenverein in ihrem Viertel, zu dessen Veranstaltungen sie nun jede Woche gehen möchte. Eine weitere Patin spricht von einem „sehr herzlichen Miteinander“ mit ihrer Tandempartnerin. Beide kommen aus einer ähnlichen Kultur, doch durch ihre unterschiedlichen Charaktere ergeben sich oft Diskussionen, die zu neuen Einsichten auf beiden Seiten führen. Die Debatte, ob nur unmoralische Frauen in Bars gehen, hat im Nachhinein zu kleinen Witzen und Neckereien zwischen den Frauen beigetragen. Insgesamt sind gute und freundliche Beziehungen in allen Tandems entstanden. Die wöchentlichen Treffen werden zwar meist für organisatorische Dinge genutzt, jedoch bleibt immer mal wieder Zeit für Museumsbesuche oder einen netten Plausch im Café.

Das größte Problem, welches sich wie ein roter Faden durch alle Tandems zieht, ist nach wie vor die Wohnungssuche. Der Wohnraum in Berlin ist knapp und das bekommen gerade Geflüchtete deutlich zu spüren. Aus Unwissenheit und Verzweiflung sind einige schon an Schwarzmakler geraten, welche für hohe Geldsummen versprechen, eine Wohnung zu organisieren. Nicht selten werden die Geflüchteten aber um ihr Geld betrogen und stehen letztendlich doch wieder ohne Wohnung da. Schwierig ist außerdem die Einmischung der Männer in das CONNECT-Tandem ihrer Frauen. Viele hätten selbst gerne einen Paten oder können nicht verstehen, warum ihre Frau so viel Aufmerksamkeit bekommt. Das CONNECT-Programm richtet sich bewusst ausschließlich an geflüchtete Frauen, denn diese sind durch Gewalt im Namen der Ehre, Zwangsverheiratung oder Genitalverstümmelung in besonderem Maße physisch und psychisch belastet und stehen bei der Integration vor großen Herausforderungen, die durch die geschlechtsspezifischen Benachteiligungen in ihren Heimatländern bedingt sind.

Von dem Dialog beim zweiten Gruppentreffen profitierten sowohl die Patinnen als auch TERRE DES FEMMES enorm. Der Austausch mit Anderen, die sich mit den gleichen Situationen konfrontiert sehen, wurde als sehr wertvoll wahrgenommen. Überdies konnten die Frauen Fragen klären und Tipps oder Anregungen bekommen. TERRE DES FEMMES dagegen erhielt einen guten Einblick in die großartige Arbeit, die die Patinnen leisten, konnte Unterstützung anbieten und Verbesserungsmöglichkeiten für den nächsten CONNECT-Zyklus identifizieren. 

Für die offenen Erzählungen und das herausragende Engagement möchten wir uns bei den CONNECT-Patinnen herzlich bedanken!

Teilnehmerinnen des Gruppentreffens am 22.09.2017. Foto: © TERRE DES FEMMESTeilnehmerinnen des Gruppentreffens am 21.09.2017. Foto: © TERRE DES FEMMES