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Lisa und Adanna*: Ein Rückblick auf ihre Patenschaft

 

Alles in allem bewerte ich die CONNECT-Zeit mit meiner Tandempartnerin Adanna als sehr lohnenswert, aber auch als sehr anstrengend. Eine Frau ohne Schulbildung, mit Fluchterfahrung und in einer Krisensituation über einen langen Zeitraum begleiten zu dürfen und vor allem auch in schwierigen Situationen, etwa bei Anhörungen, dolmetschen zu können, hat mich auch persönlich geprägt: einerseits das volle emotionale Verständnis für meine Tandempartnerin in diesen Situationen, andererseits auch die Notwendigkeit, ihr erklären zu müssen, dass diese (leidvollen) administrativen Schritte nun zu ihrem Leben gehören und ihr letztlich für ihre Zukunft auch Gutes bringen können. Hierbei hat vor allem geholfen, dass Adanna und ich uns persönlich von Anfang an gut verstanden haben (gleicher Humor!), sie mir stets vertraut hat und ich ihre Tochter fast von Geburt an habe kennenlernen können. So habe ich seit Beginn der Patenschaft die Gesamtsituation meiner Tandempartnerin erfahren, viel über ihr Leben in Benin und ihre Fluchtgeschichte gelernt und konnte mich so in gewisser Weise auf diese Dinge einstellen.

Trotzdem war und ist es für mich bis jetzt schwierig, meiner Tandempartnerin den Sinn und die Ziele des CONNECT-Projektes näher zu bringen. Dass es vor allem nicht nur darum geht, dass ich ihr helfe und dolmetsche, sondern dass es auch wichtig ist, dass sie soziale Kontakte knüpft und ihre Freizeit gestaltet, vielleicht sogar etwas für sich tut, wie etwa den gewünschten Nähkurs. So war es ihr leider nicht möglich, sich für den von mir organisierten Deutschkurs einzuschreiben sowie für die Rückbildungsgymnastik und ein Mütter-Café in Schöneberg. Meine E-Mails an die Sozialarbeiterin verliefen hierbei leider auch ins Leere, sodass in der gesamten Laufzeit der Patenschaft keines der von mir organisierten Dinge umgesetzt wurde. Dies war insbesondere schade, weil es viele Stunden Arbeit, Wege-Training mit meiner Tandempartnerin, Vertrauensbildung etc. waren.

Meine Tandempartnerin hat mir aber dennoch erzählt, dass ihr ich ihr viel geholfen habe und dass sie weiterhin mit mir als Freundin in Kontakt bleiben möchte. Es ist schön zu sehen, dass sie über die Zeit offener und mutiger im Kontakt mit anderen Menschen geworden ist, die Unterkunft öfter mit anderen und allein verlässt und seit dem Abschluss des Asylprozesses auch mehr zur Entspannung kommen kann. Die Höhepunkte waren hierbei zunächst das Erstellen einer Collage zu ihrer Ideal-Wohnung und dann der Besuch im Zoo, wo sie mir entspannter und befreiter von ihrer Kindheit in Benin erzählen konnte.

Ich freue mich darauf, mit Adanna in Kontakt zu bleiben und weitere Unternehmungen zu planen und ihre Tochter weiter aufwachsen zu sehen und sie dabei zu begleiten.

*Die Namen wurden geändert.

 

Stand: Juni 2019