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Von Erwartungen und Bedürfnissen. Das 3. CONNECT-Gruppentreffen 2018

Am 13. September 2018 haben wir alle Patinnen der fünf Zyklen zum Austausch in gemütlicher Runde in die TDF-Geschäftsstelle eingeladen. Herzlich begrüßt hat das CONNECT-Team Gesa Birkmann, Désirée Birri und Vera Weithas.

Antje, die schon seit über einem Jahr Patin ist, hat die vergangenen zwölf Monate mit Nilofar für uns Revue passieren lassen. Zu Beginn gab es Kontaktschwierigkeiten, da Nilofar häufig ihre Telefonnummer wechselte. Für Antje war es außerdem frustrierend, dass ihre Tandempartnerin wenig Fortschritte in Deutsch machte. Antje hat ihre Erwartungshaltung reflektiert. Sie hat das Gefühl, dass beidseitige Wertschätzung vorhanden ist. Der Kontakt zu Nilofar wird auch nach dem offiziellen CONNECT-Jahr bestehen bleiben.

Praktische Hilfestellung

Die Mehrheit der Patinnen an diesem Abend ist im letzten Zyklus, sodass sich die Tandems teilweise erst einmal getroffen haben. Es wurden daher viele praktische Fragen geklärt und wertvolle Tipps gegeben. Im Rathaus Steglitz erhalte man beispielsweise ohne Voranmeldung das erweiterte Führungszeugnis.

Wird man auf die Verlängerung des Aufenthaltstitels hingewiesen? Nein! Auf die Verlängerung muss man selbst achten. Eine Erinnerung von Amtswegen gibt es nicht. Eine Ausnahme bildet das Jobcenter. Wenn zum Beispiel Arbeitslosengeld II-Leistungen bezogen werden, fordert das Jobcenter in der Regel den neuen Titel an. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Verlängerung jedoch bereits beantragt sein. Es schadet also nicht, einen Blick auf den Aufenthaltstitel der Tandempartnerin zu werfen und sie – nach Rücksprache mit dem Sozialdienst der Unterkunft – bei der Verlängerung zu unterstützen.

„Wo finde ich ein Fahrrad für meine Tandempartnerin?“, war eine weitere Frage. Bei eBay Kleinanzeigen sind die Fahrräder schnell vergriffen. Neben Facebook-Gruppen gibt es auch den weniger bekannten BSR-Tausch- und Verschenkmarkt Berlin, eine Onlinegebrauchtwarenbörse. Die nächste BVG Fundsachen Versteigerung findet am 18. Oktober 2018 von 8 bis 10 Uhr im Auktionshaus Beier in der Saalburgstraße 3 statt. Die Deutsche Bahn versteigert mehrmals im Jahr im Bahnhof Berlin-Lichtenberg Fahrräder, die nicht aus dem Fundbüro abgeholt wurden. Die nächste Fahrradversteigerung ist am 31. Oktober 2018 ab 15 Uhr.

„Ich bin glaub deren Kulturschock!“

Eine Frau ohne Mann und ohne Kinder? Undenkbar für Annes Tandempartnerin Thuy sowie deren vietnamesische Mitbewohnerinnen. „Ich bin glaub deren Kulturschock!“, so Anne. Auch andere kulturelle Unterschiede wurden bei einigen Tandems ersichtlich. Was als unehrlich wahrgenommen wird, kann kulturell bedingt sein. Der deutsche Kommunikationsstil ist bekannt für seine Explizitheit und Direktheit. Zu sagen, was einem nicht gefällt, ist jedoch nicht in jeder Kultur selbstverständlich.

Sprachbarrieren bestehen bei manchen der neu gebildeten Tandems. Anne hat es mit einer Übersetzungs-App versucht. Der Testversuch war allerdings wenig vielversprechend: Das Wort Pferd wurde mit Zahnarzt übersetzt. Die App nutzt Anne mit Vorsicht. Sie hat dafür schon ein paar vietnamesische Wörter gelernt: „Nacken“ (wegen der Nackenschmerzen ihrer Tandempartnerin) und „lächeln“.

Cristina ist es aufgrund der gemeinsamen Französischsprachkenntnisse möglich, bereits nach wenigen Wochen tiefere Themen wie die Flucht oder die Familienverhältnisse zu besprechen. Bei ihr und Malado steht vor allem die Freizeitbegleitung im Vordergrund. Sie lernen gemeinsam die Stadt kennen, fahren zum Schlachtensee, genießen die Aussicht vom Klunkerkranich oder suchen afrikanische Läden auf.

Erwartungen vs. Bedürfnisse

Wenn die ersten Bedürfnisse, wie die Suche nach einem Deutschkurs erfüllt sind, stellt sich die ein oder andere Patin die Frage: „Und was nun?“ Man muss herausfinden, wie die Bedürfnisse sind. Geht es der Geflüchteten möglicherweise einfach nur um die Freizeitgestaltung, den Kontakt zu Deutschen oder das Sprechen der deutschen Sprache?

Die Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein. Am Patinnenprojekt nimmt neben Analphabetin Aminatou, die viel Hilfe und Unterstützung von Julia benötigt, auch Anacleta teil, die bereits sehr selbständig und gut angebunden ist. Kati beschreibt ihre Tandempartnerin als mobil, top modern, super weltoffen – eine Großstädterin wie sie selbst. „Sie macht das ganze Touri-Programm“, so Kati über Anacleta. Kati trifft sich mit ihrer Tandempartnerin und deren Kindern gerne auch auf dem Spielplatz. „Ich finde sie toll!“, schwärmt Kati. Wenn das kein Grund zur Freude ist!

Vielen Dank für den gelungenen Erfahrungsaustausch. Wir freuen uns schon auf das nächste Gruppentreffen im Dezember!

Euer CONNECT-Team